Beluga-Schiffsfonds

Situation

Für die Reedereigruppe von Beluga in Bremen liegen mittlerweile Insolvenzanträge für 13 Gesellschaften vor, darunter für das Kerngeschäft, den Betrieb und die Befrachtung von Schiffen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Edgar Grönda von Schulze & Braun bestellt worden.

Anfang 2010 hatte Beluga-Gründer Niels Stolberg noch dreißig Neubauaufträge insbesondere für Schwergutfrachter in den Büchern. Stolberg glaubte, mit dem Spezialsegment Schwergutfahrt von der allgemeinen Schiffahrtskrise unbeschadet zu bleiben. Allerdings fehlte ihm schon damals ausreichend Eigenkapital. Bereits im Spätsommer 2009 haben mehr als zwölf Schiffe von Beluga die Zahlung von 30 bis 50 Prozent der Charterraten für ein Jahr eingestellt. Laut Vereinbarungen sollten diese Beträge später nachentrichtet werden. Damit sollte Beluga im Herbst 2010 beginnen. Dies ist auch anfänglich geschehen, später dann aber nicht mehr durchgehalten worden. Der US-amerikanische Finanzinvestor Oaktree, der sich im Jahre 2009 an Beluga beteiligt hat, reklamiert aktuell, durch Täuschung von Stolberg einen Schaden erlitten zu haben. Dieser beläuft sich nach unterschiedlichen Quellen zwischen mehr als 100 und 150 Millionen Euro.

Je höher der Kaufpreis eines Schiffes war, desto höhere Charterraten konnten für dieses vereinbart werden. Im Übrigen sind laut Branchenexperten bei Auflegung der Schiffsfonds oft entsprechende Zwischenhandelsgewinne unter anderem von Stolberg kassiert worden. Damit konnten dann auch später die Charterraten subventioniert werden. Verschiedene Emissionshäuser haben sich an den Bestellergesellschaften beteiligt, so dass es – dort, wo sie angefallen sind - zu einer Teilung der Zwischenhandelsgewinne gekommen ist. Die Beluga-Gruppe hatte zahlreiche Schiffe zu sehr günstigen Preisen in China bestellt. Bei so großen Serien wie bei Beluga ist von entsprechend hohem Rabatt auszugehen. Die Bauverträge sind dann als „resale“ über Emissionshäuser an die Schiffsfondskommanditgesellschaften weitergegeben worden. Die marktüblichen Charterraten bei Schwerguttransporten liegen bei etwa zwei Drittel der mit Beluga vertraglich vereinbarten Raten. Damit werden die investierten Anleger für die ursprüngliche Laufzeit der Charterverträge von fünf bis sieben Jahren wohl keine Ausschüttung mehr erhalten.

Die auf Dauer angelegten Bereederungsverträge wurden von den betroffenen Emissionshäusern fristlos gekündigt. Als Begründung wurde u.a. die Verletzung der Treuepflicht angegeben Die Bereederung erfolgt jetzt durch die Hammonia Reederei in Hamburg, eine Joint Venture Gesellschaft von HCI,  Döhle und General Electric mit der aktiven Bereederung bei Döhle. Das generelle Problem ist aber durch Kündigung der Charterverträge noch nicht gelöst. Die Schiffe müssten auch die Ladung löschen, um frei zu sein. Auch ausstehende Treibstoff- und Hafenkosten stellen eine Gefährdung der Schiffe dar. Angeblich sollen bereits 13 Schiffe wegen Forderungen gegen Beluga arrestiert worden sein. Die bei neuen Verträgen nur auf Marktniveau durchsetzbaren Charterraten decken gerade einmal die Betriebskosten und eventuell die Bankkosten ab. Insgesamt gibt es bei Beluga 95 Gläubigerschiffe, rund 60 Schiffe gehören deutschen Fonds-KGs, die zur Hälfte durch Beluga bereedert worden sind und zur anderen Hälfte durch dritte Reeder. Bei manchen ursprünglich von Beluga gecharterten Containerschiffen sind die Verträge bereits ausgelaufen. Bei den erwähnten Oaktree-Schiffen handelt es sich um Neubauten, die erst 2009 / 2010 in Fahrt gekommen oder noch im Bau sind. Das wegen des Zusammenbruchs des Fonds-Marktes fehlende Eigenkapital für die Neubauten war der Grund für den Einstieg Oaktrees bei Beluga gewesen.

In sogenannte Beluga-Schiffe sind etwa 15.000 Anleger mit 400 Millionen Euro Kapital investiert. Es sind die vorstehenden Emissionshäuser betroffen (siehe Liste aller Fondsgesellschaften).